30
Oct

Wenn die Zeit nicht reicht

Ein Altenheim besteht meist aus sehr vielen Bewohnern und nur wenige Pflegekräfte. Da jeder Patient den Tag über betreut werden muss, fehlt oft die Zeit sich mit dem einen oder anderen Bewohner länger zu beschäftigen. Die Minuten sind genau abgezählt und schnell geraten die Pfleger unter Druck. Das merken die Patienten natürlich auch. Den Zeitdruck merke ich vor allem, wenn es um das Essen geht. Oft muss ich zwei Patienten gleichzeitig das Essen reichen, welche sich in nebeneinander liegenden Zimmern befinden. Auch während der Körperpflege muss alles sehr schnell gehen, da eine große Anzahl an Patienten zur gleichen Zeit gewaschen werden müssen.

Ständiger Stress auf Station

Fehlende PflegekräfteDer Job im Altenheim besteht tatsächlich nicht nur aus Harmonie und Unterhaltungen. Während ich die eine Patientin wasche, muss die andere ganz dringend auf die Toilette und noch ein Patient hat eben eine Tasse mit Tee um geschmissen. Und dies alles muss ich dann in einer kurzen Zeitspanne bewältigen. Für die Bewohner ist der Stress natürlich spürbar, denn sie wollen ja nur die Aufmerksamkeit. Sie haben Fragen, möchten umarmt werden oder einfach nur kurz etwas berichten und mir fehlt die Zeit, in dem Moment für sie da zu sein. Dennoch versuche ich jeden Tag diese Situationen zu bewältigen und trotz allem jeden Patienten etwas Zeit zu widmen. Tatsache ist, dass es an guten Fachkräften fehlt und so kein geregeltes System eingebracht werden kann. Es gibt Momente, in denen mich ein Patient länger braucht, wenn zum Beispiel eine neue Kanüle verlegt werden muss oder der Patient ins Bett gemacht hat. Oft bin ich in der Nacht der einzige Pfleger auf der Station mit 18 Patienten. Es gibt Tage, da läuft alles sehr ruhig ab. An anderen Tagen dagegen passiert in der Nacht so viel, dass ich nicht mehr hinterherkomme. Herr Maier hat sich eine Kanüle raus gerissen, Frau Peters muss zur gleichen Zeit dringend auf die Toilette und Herr Frank hat sich eben im Bett übergeben.

Und das alles muss ich bewerkstelligen und am besten zur gleichen Zeit in Ordnung bringen. Am Tage wird es oft noch viel schlimmer, da die Patienten alle wach sind und jeder einzelne die Aufmerksamkeit benötigt. Hier muss ich mich strikt an den Zeitplan halten und freie Minuten den Patienten für Gespräche und andere Unterhaltungen widmen. Somit sind Pausen ausgeschlossen. Zudem kommt auch noch der ganze Papierkram dazu, der auch noch am Tag erledigt werden muss. Regelmäßig kommen neue Patienten, die eingewiesen werden müssen oder Patienten verlassen das Heim. In diesen Momenten bleibt für die Bewohner keine Zeit übrig.

7
Sep

Mein Pflegealltag im Altenheim

Meine Arbeit im Pflegeheim startet in der Regel schon um 6 Uhr am Morgen, was für andere noch mitten in der Nacht ist. Auch wenn es oft schwer ist aus dem Bett zu kommen, freue ich mich dennoch immer wieder aufs Neue auf meine alten Bewohner. Im Pflegeheim angekommen, besteht die erste Runde aus dem Begrüßen der Patienten, die sich meist schon fertig machen, für das gemeinsame Frühstück. Natürlich gibt es auch viele Bewohner, die bettlägerig sind und umso mehr Aufmerksamkeit benötigen. Nach der Begrüßung fängt die eigentliche Arbeit an. Kurze Team Besprechung und anschließend ab zu den Patienten. Die Arbeit ist bestens unter den Pflegern aufgeteilt, sodass jeder genau weiß, was er machen muss. Heute betreue ich Frau Dietrich, eine 72-jährige Frau, die an Demenz leidet und sich selber kaum noch verpflegen kann. Bevor es ans Waschen geht, findet erstmal der Toilettengang statt, den sie alleine nicht bewältigen kann. Anschließend dann die Körperreinigung und das Anziehen der frischen Kleidung für den neuen Tag. Frau Dietrich hat keine Kinder und ihr Mann ist schon vor 6 Jahren gestorben. Sie freut sich immer, wenn sie mich sieht, auch wenn sie sich oft nicht merken kann, wer ich eigentlich bin. Dennoch strahlt sie, wenn ich mich liebevoll um sie kümmere.

Die Aufmerksamkeit der Patienten

Jeder Patient benötigt die volle Aufmerksamkeit, die einen mehr, die anderen weniger. Es gibt Alleingänger oder Bewohner, die einfach sehr gerne in Gesellschaft sind. Dennoch ist nicht alles rosig, wenn man in einem Altenheim arbeitet. Viele der Menschen sind aufgrund ihres Alters krank und benötigen eine Rund-um-Betreuung. Auch betreue ich Patienten, die aufgrund der körperlichen Verfassung sehr depressiv sind und mit der Situation gar nicht klar kommen. Sie beleidigen, schlagen um sich und sind oft schwer zu beruhigen. Hier muss ich täglich Feingefühl und Verstand mitbringen, was hin und wieder auch ein wenig an die Psyche geht. Auch muss ich damit klar kommen, dass Patienten sterben. Zu einigen Patienten baut man eine engere Verbindung auf zu anderen eben nicht. Mein Tag im Altenheim besteht in der Regel aus 8 bis 10 Stunden.

Eine 7 Tage Woche

Auch an Wochenenden und Feiertagen muss ich anwesend sein, da die Patienten auch an diesen Tagen meine Hilfe benötigen. Nachdem ich den ganzen Tag Patienten betreut, gewaschen, gefüttert und um gelagert habe, merke ich am Abend das ich körperlich und geistig fix und fertig bin. Dennoch würde ich mich stets für diesen Beruf entscheiden, da die Bewohner sehr viel Dankbarkeit und Liebe zurückgeben und oft tatsächlich ganz alleine da stehen.